Containment: Warum viele bewusst sind – und trotzdem nicht wachsen
Viele Menschen, die meine letzten Artikel gelesen haben, erkennen sich wieder. Sie verstehen inzwischen Co Abhängigkeit, Opferrolle, Drama Dreieck, Scham, alte Muster, Reassurance Seeking, Compliance. Sie können benennen, was passiert. Sie sehen Zusammenhänge. Sie haben Worte. (Übrigens, wenn du die Blog Artikel nicht gelesen hast, dann schau sie dir gerne HIER an.)
Also ja, die Menschen sind reflektiert und können das benennen. Und trotzdem bleibt oft etwas Merkwürdiges zurück.
Es wird nicht freier. Es eskaliert zwar weniger, aber es verändert sich nichts Wesentliches.
Das liegt nicht daran, dass diese Menschen zu wenig verstanden hätten. Es liegt daran, dass viele sehr gut gelernt haben, sich zusammenzureißen.
Was Containment wirklich bedeutet
Containment ist kein Verdrängen und auch kein Wegschauen. Es ist sogar oft Ausdruck von Bewusstsein.
Containment bedeutet, innere Impulse, Gefühle und Bedürfnisse so zu halten, dass sie nach außen keine Irritation mehr verursachen. „Man“ bleibt korrekt, kontrolliert, angepasst. Das System funktioniert. Innerlich bleibt alles an seinem Platz.
Im Alltag sieht das ganz unspektakulär aus. Derjenige…
- schreibt einen neutralen Gruß, obwohl etwas gesagt werden müsste.
- hält Kontakt aus Höflichkeit, nicht aus Wahrheit.
- spürt Ärger, Enttäuschung oder Sehnsucht, lässt sie aber nirgends hin.
- weiß, dass ein altes Muster aktiv ist und lebt es in abgeschwächter Form weiter.
Es gibt kein Drama mehr. Und genau das wirkt reif. Aber ist es das?
Warum Containment wie Entwicklung aussieht
Containment wird oft mit Entwicklung verwechselt, weil es äußerlich ruhig wirkt. Keine Eskalation, keine Vorwürfe, kein Klammern, kein offenes Reassurance Seeking.
Viele fühlen sich dadurch erwachsener, souveräner, reflektierter. Und ja, verglichen mit früheren Mustern ist das oft ein Fortschritt. Aber Containment verändert nicht das Muster. Es kontrolliert es. Das Nervensystem lernt nicht, dass etwas Neues möglich ist. Es lernt nur, dass alte Impulse besser verpackt werden müssen.
Die Verbindung zu Coabhängigkeit und alten Rollen
Hier schließt sich der Kreis zu Coabhängigkeit und Opferrolle. (lies dazu gerne die vorher gehenden Blog Artikel www.simonejanak.de/opferrolle www.simonejanak.de/coabhaenigkeit ) – früher wurde Verbindung über Drama gehalten. Über Retten, Leiden, Eskalation.
Heute wird sie über Selbstkontrolle gesichert.
Die Funktion ist dieselbe geblieben, nur die Lautstärke hat sich verändert. Containment ersetzt das alte Drama durch innere Anspannung.
Selbstkontrolle ist keine Verantwortung
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Selbstkontrolle und Verantwortung. Containment heißt, Gefühle auszuhalten, ohne sie zu integrieren.
Verantwortung heißt, das eigene Verhalten zu verändern, auch wenn es Konsequenzen hat.
Containment hält den Kontakt stabil – Verantwortung hält das eigene Selbst.
Viele bleiben im Containment hängen, weil es sich sicher anfühlt. „Man“ fällt nicht auf, man verletzt niemanden, man verliert niemanden.
Woran du erkennst, ob du noch „containest“
Ein guter Prüfstein ist selten der Kopf, sondern das Körpergefühl. Fühlt sich das wirklich ruhig an oder nur kontrolliert?
Ist das integriert oder wird etwas gehalten?
Würde dein Verhalten gleich bleiben, wenn niemand reagieren würde?
Wartest du innerlich noch, dass der andere etwas versteht, sieht oder anerkennt?
Solange innerlich noch gewartet wird, ist es Containment.
Wo Wachstum tatsächlich beginnt
Wachstum fühlt sich oft anders an. Weniger hübsch und auch eher unangenehm leer, unsicher, aber auch ungewohnt frei.
Verantwortung bedeutet, Gefühle selbst zu halten, ohne sie über Beziehung zu regulieren. Das ist kein schöner Zustand, aber ein ehrlicher.
Du bist nicht mehr im Drama, aber noch nicht wirklich in der Verantwortung, sondern irgendwo dazwischen. Das ist dann der erste Schritt.
Nicht alles, was ruhig ist, ist heilsam. Manches ist einfach nur gut verpackt. 💫
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Deine Simone
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