Kontrollverlust: warum die Unsicherheit im Außen dich mehr betrifft als du denkst
Iran eskaliert, die Straße von Hormus wird blockiert, Ölpreise schießen hoch, Märkte reagieren nervös, Wachstum wird runtergeschraubt, Inflation steht wieder im Raum.
Der Ukraine Krieg ist immer noch da, nur weniger laut in den Schlagzeilen. Wirtschaftlich spürst du die Unsicherheit längst im Alltag.
Und parallel dazu entwickelt sich KI in einer Geschwindigkeit, bei der selbst die, die daran arbeiten, manchmal kurz innehalten.
Das ist kein „Gefühl von Unsicherheit“. Das ist eine reale Verdichtung von Dingen, die vorher weiter auseinander lagen. Und genau deshalb reagiert dein System gerade so, wie es reagiert.
Was sich gerade wirklich verändert
Es geht nicht nur um einzelne Krisen. Es geht darum, dass mehrere Ebenen gleichzeitig unsicher werden. Politisch, wirtschaftlich, technologisch .Früher konntest du dich zumindest innerlich an etwas festhalten. Wenn es wirtschaftlich unruhig war, lief das Leben sonst stabil. Wenn global etwas passiert ist, war dein Alltag trotzdem planbar.
Diese Trennung fällt gerade weg. Und das ist der eigentliche Stressfaktor.
Dein Gehirn liebt Vorhersagbarkeit und Kohärenz (dazu gibt es auch mehrere Artikel und einen Podcast). Es baut darauf ganze Modelle auf, damit du dich sicher fühlst. Routinen, Erwartungen, Pläne. Das gibt dir das Gefühl, im Griff zu haben, was passiert.
Wenn diese Modelle nicht mehr greifen, entsteht nicht einfach nur Unsicherheit. Es entsteht das Gefühl von Kontrollverlust.
Und jetzt kommt der unbequeme Teil
Kontrolle war nie so real, wie sie sich angefühlt hat. Du hattest Strukturen. Ja. Du konntest auch planen und Entscheidungen treffen, aber du hattest nie die Kontrolle über das große Ganze. Was gerade passiert, ist kein kompletter Kontrollverlust.
Es ist eher das Wegfallen einer sehr gut funktionierenden Illusion.
In der Psychologie nennt sich das Kontrollillusion. Das Gefühl, Dinge steuern zu können, die in Wirklichkeit viel komplexer sind.
Solange die Welt halbwegs stabil wirkt, funktioniert das wunderbar.Jetzt wird sichtbar, wie begrenzt diese Kontrolle eigentlich ist.
Warum es sich emotional so intensiv anfühlt
Was gerade hochkommt, hat selten nur mit den Nachrichten zu tun, es trifft auf etwas in dir, das schon da war. Verlustangst, oder auch mal das Bedürfnis nach Sicherheit, oder nach Zugehörigkeit. Die Frage, ob du sicher bist, wenn Dinge wegbrechen.
Diese Themen entstehen nicht durch Politik oder Wirtschaft. Sie werden nur aktiviert, was bereits in uns ist. Und dann wirkt es, als würde alles gleichzeitig passieren. In Wirklichkeit wird nur etwas sichtbarer, das vorher besser überdeckt war.
Dein Nervensystem ist kein Fan von Komplexität
Dein Gehirn will Klarheit. Es will einfache Zusammenhänge. Ursache und Wirkung. Schwarz oder weiß. Was gerade passiert, ist das Gegenteil davon.
Mehrdeutigkeit, überall Unvorhersehbarkeit und Widersprüche.
In der Psychologie spricht man hier von Ambiguitätstoleranz. Also der Fähigkeit, genau diese Unsicherheit auszuhalten, ohne sofort eine klare Antwort zu brauchen. Da s ist eigentlich unsere größte Herausforderung. Wenn diese Fähigkeit nicht stark ausgeprägt ist, sucht dein System automatisch nach schnellen Erklärungen oder nach mehr Kontrolle.
Dann versuchst du mehr zu planen, mehr abzusichern oder festzuhalten. Oder eben das Gegenteil: Rückzug, Überforderung, inneres Abschalten und Vogel Strauß.
Kontrolle vs. Einfluss – ein Unterschied, der selten sauber gesehen wird
Ein großer Teil der inneren Spannung entsteht, weil Kontrolle und Einfluss durcheinandergehen. Kontrolle bedeutet: Ich bestimme, was passiert.
Einfluss bedeutet: Ich gestalte, wie ich damit umgehe.
Das eine ist „nett gedacht und sehr „absolutistisch“, das andere ist realistisch. Du kannst nicht beeinflussen, ob sich geopolitische Konflikte zuspitzen.
Du kannst aber sehr wohl beeinflussen, wie du darauf reagierst, wie du Entscheidungen triffst, wie stabil du innerlich bleibst.
Das ist das, was in der Psychologie als Selbstwirksamkeit beschrieben wird. Nicht alles im Griff haben, aber handlungsfähig bleiben.
- Wo versuchst du gerade Kontrolle zu erzeugen, die du faktisch nicht hast?
- Und wo gibst du Einfluss ab, den du eigentlich hast?
Was du jetzt tun kannst, ohne dich selbst zu verarschen
Erster Schritt: hör auf, dir einzureden, dass alles wieder „normal“ wird und dann ist alles gut. Diese Phase ist kein kurzer Ausrutscher. Das ist eine Veränderung.
Zweiter Schritt: schau dir deine Reaktionen an. Wirst du aktiver? Kontrollierter? Oder eher passiv und abwartend? Beides sind Strategien, um mit Unsicherheit umzugehen. Beide haben ihren Preis.
Dritter Schritt: triff wieder Entscheidungen im Kleinen. Nicht aus Angst, sondern ganz bewusst. Das kann banal wirken, ist aber genau der Punkt, an dem du wieder in deine eigene Führung kommst. Und vielleicht der wichtigste Punkt: akzeptiere, dass Sicherheit kein Zustand ist, den du einmal erreichst und dann behältst.
Sicherheit entsteht im Umgang mit Unsicherheit und nicht im Vermeiden davon.
Vielleicht fühlt es sich gerade so an, als würde dir Kontrolle entgleiten. In Wahrheit zeigt sich gerade, wo du sie nie hattest. Und genau darin liegt auch die Chance, klarer zu sehen, wo du wirklich gestalten kannst, anstatt kontrollieren zu wollen. 💫
Was denkst du? Schreibe es mir direkt gerne per PN/ Mail oder Whatsapp. Und teile den Artikel gerne.
Deine Simone
PS. Du möchtest gerne mal mit mir sprechen? Dann melde dich gerne zu einem kostenlosen Gespräch.














0 Kommentare