Beruhigung ist keine Sicherheit – nur Regulation

beruhigung

Beruhigung von außen: Warum gut gemeinte Nähe Entwicklung verhindert

Beruhigung ist keine Sicherheit

Wir sind wunderbare Menschen, und wir möchten helfen. Und das ist gut so. Die Frage ist wie. Viele Menschen glauben, sie helfen, wenn sie beruhigen.
Sie hören zu. Sie trösten. Sie erklären. Sie sind da. Und oft fühlt es sich auch tatsächlich kurz besser an.  Der Körper entspannt sich. Die Tränen hören auf. Der Druck lässt nach.
Es entsteht ein Moment von Erleichterung. Und das ist auch gut so, aber heute geht es um das große ABER dahinter: 

Es bleibt etwas offen. Beruhigung wirkt. Aber sie schafft keine Sicherheit. Und das was die Menschen eigentlich suchen ist Sicherheit und Stabilität, und die kannst du nicht liefern. 

Was ich meine, wenn ich von Beruhigung spreche

Beruhigung ist etwas sehr Menschliches. Sie passiert intuitiv, oft aus Liebe, oft aus Mitgefühl. Psychologisch betrachtet bedeutet Beruhigung vor allem eines: Sie senkt akute Spannung. Beruhigung heißt: 
Angst lindern.
Emotionen abfedern.
Schmerz für einen Moment regulieren.
Das Nervensystem herunterfahren.

Das ist wichtig. Und es ist kein Fehler.

Beruhigung ist verständlich. Sie ist oft das Erste, was wir gelernt haben, um mit Überforderung umzugehen.
Und doch hat sie eine klare Eigenschaft, die selten benannt wird:

Beruhigung kommt immer von außen.

Jemand greift ein. Jemand hält. Jemand erklärt. Jemand ist da, damit es erträglicher wird.

Was Sicherheit etwas völlig anderes macht

Sicherheit ist kein Gefühl, das jemand anderes uns gibt. Sicherheit ist eine innere Fähigkeit.

Sie zeigt sich darin, dass ich meine Gefühle halten kann, auch wenn niemand eingreift.
Dass ich nicht zerbreche, wenn es auf einmal leer oder still wird. 
Dass Nähe möglich ist, aber nicht notwendig, um stabil zu bleiben.
Dass Verantwortung bei mir bleibt, selbst wenn es unbequem wird.

Sicherheit macht mich stabil über den Moment hinaus.
Beruhigung beruhigt den Augenblick. 
Sicherheit ist das wahre Fundament unserer Gelassenheit. 

Das ist der entscheidende Unterschied.

Warum Beruhigung Entwicklung sogar verhindern kann

Hier wird es heikel. Wenn Beruhigung dauerhaft von außen kommt, lernt das innere System etwas sehr Bestimmtes:
Ich halte das nicht allein aus. 
Ich brauche jemanden, damit es besser wird.
Ohne den anderen wird es gefährlich.

So entstehen Muster, die du aus anderen Zusammenhängen kennst. Die Artikel dazu findest du unter: www.simonejanak.de/Blog 
Co Abhängigkeit.
Reassurance Seeking.
Opferrollen.
Drama Dynamiken.
Compliance.

Das ist nicht, weil jemand etwas falsch macht, sondern weil das System keine Gelegenheit bekommt, eigene Sicherheit zu entwickeln.

Was sich gut anfühlt, ist nicht automatisch heilsam.

Manchmal stabilisiert Beruhigung genau das, was eigentlich reifen möchte.

Warum Grenzen sich so grausam anfühlen

Der schmerzhafteste Moment kommt oft dann, wenn jemand aufhört zu beruhigen.
Wenn keine erklärenden Worte mehr kommen.
Kein Halten. Kein Auffangen. Kein sofortiges Reagieren.

Dann entsteht Leere.

Diese Leere fühlt sich für viele an wie Kälte. Wie Ablehnung. Wie Grausamkeit.

Dabei ist sie oft der erste Raum, in dem echte Sicherheit überhaupt entstehen kann.

Grenzen tun nicht weh, weil sie falsch sind. Sie tun weh, weil sie das Alte beenden.

Was bisher reguliert wurde, muss nun selbst getragen werden. Und das ist ungewohnt. Manchmal beängstigend. Aber notwendig.

Wie echte Sicherheit entsteht

Echte Sicherheit entsteht nicht durch Verschmelzung. Nicht dadurch, dass jemand ständig dazwischengeht, reguliert, erklärt oder auffängt. Sie entsteht dort, wo ein Mensch beginnt, seine eigenen Gefühle halten zu können.
Wo Angst, Unsicherheit, Traurigkeit oder Überforderung da sein dürfen, ohne dass sie sofort von außen beruhigt werden müssen.

Das ist kein Alleinlassen. Und es ist auch kein Sich Zurückziehen. Es ist die Fähigkeit, innerlich bei sich zu bleiben, während etwas unangenehm ist.
Zu spüren, ohne zusammenzubrechen. Zu fühlen, ohne sofort reguliert werden zu müssen.

Echte Sicherheit wächst nicht durch Einsicht oder Verstehen. Sie entsteht durch Wiederholung.
Durch das Erleben: Ich halte das aus. Und es passiert nichts Schlimmes.

Nicht Personen machen sicher, Verlässlichkeit tut es, dir selbst gegenüber. Und mit Menschen, die das erkennen und es aushalten nicht zu beruhigen. 
Klare Rahmen. Wiederkehrende Strukturen. Vorhersehbarkeit.

Und genau deshalb verhindert ständiges Dazwischengehen oft das, was eigentlich entstehen soll.
Denn jedes Eingreifen nimmt dem System die Möglichkeit, diese innere Fähigkeit aufzubauen.

Niemand kann diese Sicherheit für einen anderen fühlen. Aber man kann den Raum halten, in dem sie entstehen darf.
Aber die innere Fähigkeit entsteht nur dort, wo jemand selbst bleibt, statt gerettet zu werden.  💫

Was denkst du? Schreibe es mir direkt gerne per PN/ Mail oder Whatsapp. Und teile den Artikel gerne

Deine Simone

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